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1. Pneumologie was ist das?
1.1. Was versteht man unter Pneumologie?
Die Pneumologie ist das Fachgebiet der Medizin, das sich mit den Krankheiten des Atmungssystems befasst. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab (pneuma=Luft, Atem; logos=Lehre), also ‚Lehre von der Atmung’.
Die deutsche Bezeichnung lautet „Lungen- und Bronchialheilkunde“, innerhalb der EU hat man sich jedoch auf den Begriff „Pneumologie“ geeinigt, da er umfassender als „Pulmologie“ (Pulmo=Lunge) den gesamten Atemapparat (Lunge, Bronchien, Mediastinum, Pleura, Thoraxwand, Atemmuskulatur einschließlich Zwerchfell sowie Atemzentrum) umfasst.
Internationale Bezeichnungen sind „pulmonology“ (U.S.A.) und „respiratory medicine“ (U .K.).
1.2. Heutige Bedeutung der Pneumologie als eigenes Schwerpunktfach?
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stand das Krankheitsbild der Tuberkulose noch ganz im Vordergrund. Seither hat sich das Fach rasant entwickelt, heute ist die Pneumologie eines der großen Schwerpunktfächer der Inneren Medizin. Risikofaktoren für pneumologische Krankheiten sind Infektionserreger, Allergene, berufliche Noxen, Luftverschmutzung, vor allem Rauchen, und Ernährung. Aber auch bei den Systemkrankheiten und in der Intensivmedizin kommt den Atmungsorganen eine wichtige Rolle zu.
Bei Erwachsenen zählen COPD, Lungenentzündung, Lungenkrebs und inzwischen auch die Schlafapnoe zu den Volkskrankheiten, bei ihnen ist für die nächsten Jahrzehnte aufgrund der Alterung der Bevölkerung eine deutliche weitere Zunahme prognostiziert.
Bei Kindern ist Asthma die führende chronische Erkrankung, die Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist in Deutschland die häufigste Erbkrankheit.
Lungenkrankheiten verursachen etwa so hohe Kosten wie alle Tumorerkrankungen zusammen und werden nur noch von den Herzkreislaufkrankheiten übertroffen.
Unter den Arbeitsunfähigkeitsfällen liegen die pneumologischen Krankheiten nach „Weißbuch Lunge 2005“ mit 25 % ebenso wie bei den Berufskrankheiten mit 59 % an der Spitze, bei der Mortalität haben sie mit 10 % einen wesentlichen Anteil.
1.3. Warum sollte man Pneumologie als Fach wählen?
Das Gebiet der Pneumologie ist äußerst vielfältig und hochinteressant: vom Asthma bronchiale über die Beatmungsmedizin bis hin zur Schlafmedizin und zur zystischen Fibrose.
Dem trägt die Bildung von 15 wissenschaftlichen Sektionen und 12 wissenschaftlichen Arbeitsgruppen in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin Rechnung.
Tragende diagnostische Säulen sind Endoskopie, Lungenfunktion und bildgebende Verfahren wie Ultraschall sowie Röntgen-Thorax, CT, MRT und Szintigraphie. Letztere werden zwar von Radiologie und Nuklearmedizin erbracht, der Pneumologe/die Pneumologin muss jedoch in der Lage sein, die Befunde selbstständig zu interpretieren. Wichtige ergänzende Bedeutung haben die Mikrobiologie und die Pathologie mit ihren modernen molekularbiologischen Verfahren. Auch mit der Thoraxchirurgie und Strahlentherapie gibt es sehr enge Kooperationen.
Zahlreiche Querverbindungen und Schnittmengen bestehen mit anderen medizinischen Fachgebieten wie Infektiologie, Onkologie, Allergologie/Immunologie, Intensivmedizin, Schlafmedizin, Transplantationsmedizin, Palliativmedizin, Rehabilitationsmedizin, Arbeitsmedizin und Umweltmedizin.
1.4. Welche beruflichen Chancen hat man als Pneumologe/als Pneumologin?
Die beruflichen Chancen auf dem Gebiet der Pneumologie sind als hervorragend zu bezeichnen.
In den letzten Jahren wurden in den Krankenhäusern wegen der Bedeutung für die Krankenversorgung mehr und mehr pneumologische Abteilungen gegründet, wodurch das Angebot an leitenden Positionen, aber auch an Weiterbildungsstellen, gestiegen ist.
Die Vielfalt des Faches bietet zudem ausgezeichnete Möglichkeiten für Subspezialisierungen innerhalb eines multidisziplinären Teams, dem auch speziell ausgebildete medizinische Assistenzberufe wie Atmungstherapeuten, Physiotherapeuten und Pflegekräfte angehören.
Da viele diagnostische Verfahren auch in der Praxis angewandt werden können, bieten auch Niederlassungen sehr gute Möglichkeiten; auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst und in der Rehabilitationsmedizin sind Pneumologen/Pneumologinnen sehr gesucht. Wenn auch die Repräsentanz der Pneumologie an den deutschen Universitäten mit Defiziten in der Lehre und Forschung noch zu wünschen übrig lässt - eine leichte Besserung ist in den letzten Jahren schon eingetreten -, so lässt die Einrichtung von Forschungsschwerpunkten auf dem Gebiet der Pneumologie durch die Bundesregierung hoffen, dass bald genügend Nachwuchskräfte für die Besetzung universitärer Positionen zur Verfügung stehen werden.
1.5. Wie werde ich Pneumologe?
Die Weiterbildungszeit beträgt in Deutschland sechs Jahre, davon drei Jahre stationäre Basisweiterbildung auf dem Gebiet Innere Medizin und drei Jahre Weiterbildung im Schwerpunkt der Pneumologie. Innerhalb dieser 6jährigen Weiterbildungszeit muss 6 Monate auf einer Intensivstation gearbeitet werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit einen Teil der pneumologischen Ausbildung (maximal 18 Monate) bei einem niedergelassenen, weiterbildungsberechtigten Kollegen zu arbeiten und damit bereits erste Einblicke in den Alltag in einer pneumologischen Praxis zu erlangen.Im Anschluss daran sind noch zahlreiche Zusatz-Weiterbildungen wie z.B. auf dem Gebiet der Allergologie, Umweltmedizin, Schlafmedizin oder Intensivmedizin möglich.
Die Weiterbildungsstätten finden Sie hier.
1.6. Voraussetzungen/Qualifikationen für eine Weiterbildung zum Pneumologen
- gutes allgemeines medizinisches Wissen
- gute Kommunikationsfähigkeit
- englische Sprachkenntnisse (Literatur, Kongresse)
- Fähigkeit zur multidisziplinären Teamarbeit
- Eignung für praktische Untersuchungsmethoden (Endoskopie)
- Fähigkeit, Multisystemerkrankungen zu erkennen
- Bewahren eines kühlen Kopfs in Notsituationen
- Empathie gegenüber Patienten mit chronischen Krankheiten
- Aber am WICHTIGSTEN: Intersesse und Spaß am breiten Berufsbild des Pneumologen!!!

