Patientenservice


 

Was man über die Tuberkulose wissen soll

 

 Eine Informationsschrift für Patienten und ihre Angehörigen

 

6. ergänzte Auflage

Online- Version

 

 


Vorworte.
Einführung.
Was ist -Tuberkulose?.
Wie kann man sich anstecken?
Was geschieht, wenn Tuberkulose‑Bakterien in den Körper eindringen?

Infektion mit Tuberkulose‑Bakterien bedeutet nicht immer Krankheit
Entwicklung der Lungentuberkulose
Wie kann der Arzt die Diagnose „Tuberkulose“ stellen?

Krankheitssymptome
Diagnostische Verfahren

    1. Tuberkulin-Hauttest
    2. Interferon-
g-Tests
    3. Röntgenaufnahme der Lunge
    4. Nachweis des Erregers
Die Behandlung der Tuberkulose
Warum müssen zu Beginn der Tuberkulosebehandlung mehrere Medikamente genommen werden?
Ambulante oder stationäre Behandlung?

Präventive Behandlung
Nebenwirkungen der Medikamente
Kontrolluntersuchungen
Tuberkulosebehandlung in der Schwangerschaft und Stillzeit
Tuberkuloseschutzimpfung (BCG-Impfung)
Arbeitsfähigkeit
Meldepflicht
Verhaltensregeln

Allgemeine Verhaltensregeln
Fazit

Anhang -Erklärung medizinischer Fachausdrücke
Sachregister


Vorworte

Vorwort zur 1. Auflage

An Tuberkulose zu erkranken bedeutet auch heute noch für den davon Betroffenen einen großen und unheimlichen Einschnitt in sein bisheriges Leben. Immer wieder erhält das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose von solchen Patienten und ihren Angehörigen Anfragen und die Bitte um Rat und Hilfe. Wir haben aus diesem Grunde schon vor 12 Jahren einen Ratgeber für Tuberkulosepatienten herausgegeben. Vieles hat sich seither in der Behandlung der Tuberkulose geändert, neue Erfahrungen konnten gesammelt werden, die Behandlung konnte weiter rationalisiert und noch wirksamer gemacht werden. Dementsprechend gehört die Tuberkulose auch nicht mehr wie früher in die Zuständigkeit der Rentenversicherung.

Die Behandlungskosten worden im Regelfall von der Krankenversicherung getragen.

Die Tuberkulose ist heute eine gut behandelbare und bei korrekter Therapieführung ausheilbare Infektionskrankheit.

Die vorliegende Broschüre berücksichtigt diese Punkte. Sie soll den Patienten und ihren Angehörigen helfen, die Tuberkulose zu verstehen und selbst aktiv an der Behandlung und Ausheilung ihrer Erkrankung mitzuwirken.

Mainz, im Juli 1991 

 Univ.‑Prof. Dr. R. Ferlinz

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Vorwort zur 6. ergänzten Auflage (onlinie)

Die Tuberkulose ist, auch in Deutschland, weiterhin eine wichtige Infektionskrankheit. Zwar gehen die Erkrankungszahlen in Deutschland langsam zurück, angesichts der weltweiten Tuberkuloseentwicklung, speziell auch in Osteuropa, müssen aber Auswirkungen auf die Tuberkulosesituation in den westlichen Industrienationen befürchtet werden. Insbesondere ist die Zunahme von Medikamentenresistenzen, welche die Behandlung von Tuberkulose erheblich erschweren, und der in einigen Regionen vorherrschenden HIV-Koinfektionen, alarmierend. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass diese Erkrankung nicht aus dem Bewusstsein sowohl der Ärzteschaft als auch der Patienten verschwindet.

Die vorliegende Fassung wurde nun aufgrund aktueller Entwicklungen erneut überarbeitet. Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, ist diese Auflage für die Verbreitung im Internet vorgesehen.

Diese Patienteninformation soll zum Verständnis der Diagnostik und Therapie der Tuberkulose sowie Vermeidung ihrer Weiterverbreitung beitragen und dabei helfen, einerseits unbegründete Ängste abzubauen, anderseits aber auch die erforderliche Aufmerksamkeit zu wecken.

Berlin, im Januar 2007

 Prof. Dr. Robert Loddenkemper 

Generalsekretär 

des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose

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Einführung

Aus Berichten früherer Zeiten, in denen die Tuberkulose eine weit verbreitete Volksseuche war, an der ein Großteil der Erkrankten verstarb, hat sich bis heute noch mancherorts der Glaube erhalten, dass es einen schweren Schicksalsschlag bedeute, an Tuberkulose zu erkranken. So sind auch in unserer Zeit viele Patienten, denen der Arzt mitteilt, dass sie an einer Tuberkulose erkrankt sind, aus Unkenntnis über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten zutiefst erschrocken und fühlen sich in ihrer Existenz bedroht.

Ziel dieses Büchleins ist es, den Patienten und auch seine Angehörigen über das Wesen der Tuberkulose zu informieren und ihn mit medizinischen Begriffen, die er während seiner Behandlungszeit immer wieder hören wird, vertraut zu machen. Der Erkrankte wird erkennen, dass die Tuberkulose zu den am besten behandelbaren Infektionskrankheiten gehört und dass er im Regelfall wieder ganz gesund werden kann, ohne Einschränkungen in seinem Berufs- und Privatleben.

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Was ist  Tuberkulose?

Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Infektionskrankheit bedeutet, dass ein Krankheitserreger von außen in den Körper eindringt, in diesem Schädigungen setzt, auf die der Organismus dann mit Abwehrreaktionen antwortet. In der Umgangssprache nennt man das Eindringen von Keimen auch „man hat sich angesteckt“. Weit verbreitet und allgemein bekannt sind z. B. Erkältungsinfekte, die sog. „Grippe“, man hat sich mit Grippe-Viren angesteckt.

Bei der Tuberkulose ist der Erreger das Tuberkulose-Bakterium (Mycobacterium tuberculosis). Es wurde 1882 von Robert Koch entdeckt und von ihm als Verursacher der Tuberkulose erkannt. Das war der erste wichtige Schritt zur Bekämpfung der Tuberkulose.

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Wie kann man sich anstecken?

Die Ansteckung mit Tuberkulose-Bakterien erfolgt heute in unserer Region praktisch nur noch über die Atemwege von einem Menschen auf den anderen. Der an offener Tuberkulose Erkrankte gibt beim Sprechen, Husten, Niesen mit seinem Ausatemstrom feinste Tröpfchen, die Tuberkulose‑Bakterien enthalten, in seine Umgebungsluft ab. Diese Tröpfchen schweben eine Zeitlang im Raum und können dann von einem anderen Menschen eingeatmet werden. So gelangen die Tuberkulose‑Bakterien in die Atemwege eines Gesunden (s. Abb. 3) . Früher war - vor allem in ländlichen Gebieten durch den Genuss roher Milch - auch eine Infektion über den Darm möglich. Durch die Ausrottung der Rindertuberkulose seit Ende der 50er Jahre kommt das heute bei uns nicht mehr vor.

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Was geschieht, wenn Tuberkulose‑Bakterien in den Körper eindringen?

Das Eindringen von Tuberkulose-Bakterien verursacht eine Reaktion im Gewebe, die nach ganz bestimmten, für die Tuberkulose spezifischen Gesetzmäßigkeiten abläuft. Deshalb wird die Tuberkulose auch „spezifische Entzündung“ genannt. Sie führt zur Ausbildung kleiner Knötchen, die Tuberkel genannt werden. Daher hat die Krankheit ihren Namen „Tuberkulose“. Die Tuberkulose-Bakterien gelangen durch die Atemluft in die Lungen und siedeln sich dort an. Der Körper beginnt sofort mit der Bildung von Abwehrzellen gegen die Bakterien und umgibt die Keime mit einem dichten Wall von Zellen, er schließt sie quasi wie in einem kleinen Gefängnis ein. Das sind dann die erwähnten Knötchen oder Tuberkel. In der Lunge bildet sich ein kleiner Herd, und die dazugehörigen Lymphknoten im Brustkorb schwellen an. Das nennt man den Primärkomplex, es ist das erste Stadium nach einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis, das alle Infizierten durchmachen. Etwa 6 Wochen nach der Infektion kann man mit dem Tuberkulin- Hauttest, bei dem spezielle Abwehrzellen auf das in die Haut eingebrachte Tuberkulin reagieren, nachweisen, d. h. also, dass sich der Patient mit Tuberkulose-Bakterien infiziert hat.

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Infektion mit Tuberkulose‑Bakterien bedeutet nicht immer Krankheit

Glücklicherweise erkranken nur etwa 5-10% der Infizierten an Tuberkulose, die übrigen 90-95% bleiben gesund und sind von nun an mehr oder weniger immunisiert gegen eine spätere erneute Infektion mit Tuberkulose. Man muss also bei der Tuberkulose streng zwischen „infizierten“ und „erkrankten“ Personen unterscheiden. „Infiziert“ ist, wer eine positive Tuberkulinreaktion hat. Bei den meisten Infizierten bildet sich der Primärkomplex zurück. Häufig fühlt sich der Betroffene in dieser Zeit nicht krank und weiß überhaupt nicht, dass er sich mit Tuberkulose‑Bakterien angesteckt hat. Dies wird oft Jahre später erst bekannt, wenn aus irgendeinem Grund ein Tuberkulin-Hauttest gemacht wird und dieser dann positiv ausfällt.               

Wenn eine große Menge von Erregern in den Menschen eingedrungen ist und die körpereigenen Abwehrkräfte nicht ausreichen, die Bakterien unschädlich zu machen, entwickelt sich die Tuberkulose weiter. Von dem Herd in der Lunge können die Tuberkulose-Bakterien vorwiegend über die Blutbahn in andere Organe gelangen und dort eine tuberkulöse Entzündung hervorrufen. Abbildung 1 zeigt die wichtigsten Absiedelungsorte: Hirnhaut, Lymphknoten, Rippenfell, Lunge, Nebenniere, Niere, Knochen, Eierstöcke, Nebenhoden. Die Lymphknoten sind besonders bei Erkrankten aus südlichen Ländern betroffen. Diese neugesetzten Herde können nun auch entweder zur Ruhe kommen oder sich zur Krankheit „Tuberkulose“ weiterentwickeln. Auch ruhende Herde können mitunter nach vielen Jahren aufflackern und zu einer manifesten Tuberkulose-Erkrankung führen. Das ist besonders in höherem Alter der Fall. Diese sog. „Alterstuberkulose“ macht bei der deutschen Bevölkerung heute einen beträchtlichen Teil der Erkrankungen an Tuberkulose aus. Diese „Neuerkrankungen“ gehen aber meist auf eine Infektion zurück, die schon vor Jahren oder Jahrzehnten stattgefunden hat. Besonders gefährdet für ein Wiederaufflackern einer Tuberkulose sind auch Alkoholkranke, Menschen ohne festen Wohnsitz, Drogenabhängige und Patienten mit einer Immunschwäche, wie z. B. AIDS‑Kranke, mit HIV Infizierte oder Patienten, die Immunspupressiva behandelt werden.

Bei sehr schlechter Abwehrlage des Erkrankten können sich die Tuberkulose‑Bakterien über den Blutweg diffus in Form kleiner hirsekorngroßer Knötchen evtl. auch gleichzeitig in mehreren Organen ansiedeln, es entwickelt sich eine Miliartuberkulose, ein sehr schweres, lebensbedrohliches Bild der Tuberkulose. Der Ausdruck „Miliartuberkulose“ kommt von dem lateinischen Wort „milium“, das Hirsekorn.

Die Tuberkulose anderer Organe als der Lunge nennt man extrapulmonale Tuberkulose (das bedeutet außerhalb der Lunge bestehende Tuberkulose).

Es kann durchaus vorkommen, dass ein Patient längere Zeit nach seinem Primärkomplex in der Lunge an einer extrapulmonalen Tuberkulose erkrankt und man in der Lunge des Betreffenden gar keinen Hinweis auf eine durchgemachte Tuberkuloseinfektion findet.

Die weitaus häufigste Erkrankung an Tuberkulose ist aber die Lungentuberkulose.

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Abb. 1: Die wichtigsten Absiedelungsorgane von Tuberkulose‑Bakterien. Der Lymphknoten erste Herd (Primärherd) sitzt im linken  Lungenunterlappen Lunge (modifiziert nach R. Ferlinz, Primärherd Lungen-  und Bronchialerkrankungen, Thieme, Rippenfell Stuttgart 1974) zurück zum Text

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Entwicklung der Lungentuberkulose   

Die Tuberkelbakterien in dem entzündlichen Herd vermehren sich, und der Herd wird größer. Es kommt vor, dass das entzündliche Gewebe zerfällt, sich verflüssigt und der tuberkulöse Herd Anschluss an einen Ast der Luftröhre (Bronchus) bekommt. Das zerfallene Gewebe wird dann ausgehustet, und in der Lunge entsteht an dieser Stelle ein Hohlraum, eine Kaverne (Abb. 2). Das mit dem Hustenstoß abgehustete Gewebe enthält Tuberkulose‑Bakterien. Man spricht dann von einer offenen Tuberkulose.

Abb. 2a zeigt einen tuberkulösen Prozess im rechten Oberlappen der Lunge. Er hat keine Verbindung zu den Bronchien (geschlossene Tuberkulose)

Abb. 2b: Das tuberkulöse Gewebe ist eingeschmolzen, hat Anschluss an einen Bronchus bekommen und wurde ausgehustet. Es ist ein Hohlraum (Kaverne) entstanden. Der Patient hustet jetzt Tuberkulose‑Bakterien aus, er hat eine offene Tuberkulose zurück zum Text

 Wenn der Patient keine Bakterien aushustet, dann spricht man von einer geschlossenen Tuberkulose. In dem Augenblick, wo ein Patient Tuberkulose‑Bakterien aushustet, er also eine offene Tuberkulose hat, bedeutet dies eine Gefahr für seine Umgebung, denn die Kontaktpersonen können sich nun mit seinen ausgehusteten Bakterien anstecken und auch an Tuberkulose erkranken. Abbildung 3 zeigt, wie es zu dieser Infektion kommen kann. Es ist logisch, dass gerade Personen, die in engem Kontakt mit dem Erkrankten leben (Familie, Berufskollegen), besonders ansteckungsgefährdet sind und deshalb beobachtet werden müssen  . Im Allgemeinen rechnet man, dass ein Offen‑Tuberkulöser, wenn er nicht richtig behandelt wird, innerhalb eines Jahres etwa 10 andere Menschen ansteckt. Einer der wichtigsten Punkte in der Tuberkulosebekämpfung ist daher eine möglichst rasche Diagnose bei dem Erkrankten, denn dann kann sofort eine wirksame Behandlung einsetzen. Dies nützt natürlich zunächst dem Erkrankten, es ist aber auch der sicherste Weg, die Ansteckung anderer Menschen mit Tuberkulose zu verhindern.

 

 

Abb. 3: Übertragung von Tuberkulose‑Bakterien eines an offener Tuberkulose Erkrankten (a) auf einen Gesunden (b) zurück zum Text

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Wie kann der Arzt die Diagnose „Tuberkulose“ stellen?

Krankheitssymptome 

Da sind als erstes die Beschwerden des Erkrankten, die ihn zum Arzt gehen lassen. In ihrem Anfangsstadium macht die Tuberkulose meist keine besonders auffälligen und für sie charakteristischen Beschwerden. Die Patienten klagen im Allgemeinen über

Husten oder Hüsteln,
Gewichtsabnahme,
Appetitlosigkeit,
Müdigkeit,
leichtes Fieber, besonders in den Nachmittagsstunden,
Stechen in der Brust,
Nachtschweiß,
selten sind Blutbeimengungen im Auswurf.

Das sind aber z. T Beschwerden, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können. Wichtig ist, dass der Arzt, wenn ihm der Patient diese Symptome schildert, bei seinen Überlegungen auch an die Tuberkulose denkt.

Bei Husten, der länger als drei Wochen anhält, muss unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Etwas hinweisend auf die Tuberkulose ist die auffallende Müdigkeit. Die Patienten geben an, dass sie auch nach ausreichendem Schlaf schon nach kurzer Zeit wieder stark ermüdet sind. Es kann aber auch durchaus vorkommen, dass ein Patient mit einer offenen Tuberkulose sich überhaupt nicht krank fühlt und gar nicht weiß, dass er an einer Tuberkulose erkrankt ist. Diese Fälle sind besonders gefährlich, einmal für den Erkrankten selbst, da die unbehandelte Tuberkulose sich weiter in seinem Körper ausbreitet und ihn selbst schwer gefährdet, zum anderen für seine Umgebung, die er anstecken kann (s. oben). Diese symptomlosen Fälle findet man besonders bei älteren Menschen. Wegen dieser recht charakteristischen Symptomenarmut ist es besonders wichtig, Menschen, die in der Umgebung von an Tuberkulose Erkrankten leben oder gelebt haben, auch dann auf Tuberkulose hin zu untersuchen, wenn sie sich völlig gesund fühlen.

AIDS-Kranke und HIV-Infizierte sind wegen ihrer Immunschwäche besonders gefährdet für eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien oder ein Wiederaufflackern eines ruhenden, früher erworbenen tuberkulösen Herdes. Diese Patienten sollten sich regelmäßig auf eine Erkrankung an Tuberkulose untersuchen lassen, auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Die antituberkulöse Behandlung ist bei AIDS‑Kranken und HIV‑Infizierten genauso erfolgreich wie bei anderen an Tuberkulose Erkrankten ohne eine Immunschwäche.

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Diagnostische Verfahren 

1. Tuberkulin-Hauttest

Beim Tuberkulin-Hauttest wird  Tuberkulin wird in die Haut eingebracht, und wenn der Betroffene sich einmal mit Tuberkulose-Bakterien infiziert hat, reagiert er positiv. An der Teststelle bildet sich ein tastbares Knötchen.

Das früher häufig verwendete Stempeltestverfahren wird aufgrund seiner ungenaueren Testresultate nicht mehr empfohlen und ist in Deutschland auch nicht mehr verfügbar. Heutzutage wird daher nur noch die Testung  nach Mendel-Mantoux (benannt nach den Ärzten Felix Mendel und Charles Mantoux, die diese Methode der Tuberkulintestung angegeben haben) verwendet, bei dem mit einer Spritze eine genau bestimmte Menge Tuberkulin in die Haut gespritzt wird. Wenn dieser Test, evtl. auch nach Wiederholung, negativ bleibt, kann man davon ausgehen, dass keine Infektion mit Tuberkulose‑Bakterien stattgefunden hat.

Ein positiver Tuberkulin-Hauttest bedeutet aber noch nicht, dass der Betroffene auch an Tuberkulose erkrankt ist, er sagt lediglich aus, daß einmal eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien stattgefunden hat.  Auch nach einer BCG-Impfung wird der Tuberkulin-Hauttest positiv. Andererseits kann bei sehr schwerer Erkrankung an Tuberkulose, z.B. bei der Miliartuberkulose und auch bei HIV- Infektion, der Tuberkulin-Hauttest manchmal negativ sein.

Im Allgemeinen bleibt der Tuberkulin-Hauttest über Jahrzehnte positiv, unabhängig davon, ob der Infizierte an Tuberkulose erkrankt oder nicht. Auch die antituberkulöse Behandlung bringt die Tuberkulinreaktion nicht zum Erlöschen.

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2. Interferon-g-Tests

 Mit diesen neu entwickelten Testverfahren wird eine Blutprobe im Labor untersucht. Die Tests basieren darauf, dass die Abwehrzellen (T-Lymphozyten) im Blut von Menschen, deren Immunsystem sich mit Tuberkulose-Bakterien auseinandergesetzt hat, nach Zugabe spezieller Bestandteile des Tuberkulose-Bakteriums Interferon-g freisetzen (positiver Test). Wenn keine Infektion stattgefunden hat, lässt sich keine Interferon-g-Ausschüttung nachweisen (negatives Testergebnis).

Die Interferon-g-Tests haben den Vorteil, dass sie durch eine BCG-Impfung nicht im Sinne einer falsch-positiven Reaktion (s.o.) beeinflusst werden. Es kann aber auch hier bei schweren Tuberkuloseformen oder andersartiger geschwächter Abwehrlage - ähnlich wie beim Tuberkulin-Hauttest, wenn auch wahrscheinlich seltener - zu falsch negativen Reaktionen kommen. Auch hier ist eine Unterscheidung zwischen Infektion und Erkrankung nicht möglich.

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3. Röntgenaufnahme der Lunge

Ist der Tuberkulin-Hauttest und/oder Interferon-g-Test positiv, und es besteht der Verdacht auf eine Erkrankung an Tuberkulose, wird der Arzt eine Röntgenaufnahme der Lunge machen. Vielfach wird, bei entsprechendem Verdacht, um nichts zu übersehen und um Zeit zu sparen, auch gleich eine Röntgenaufnahme der Lungen angefertigt.

Ist nun auf der Röntgenaufnahme der Lunge ein krankhafter Befund zu sehen, weiß der Arzt aber noch nicht sicher, ob es sich hierbei um eine Tuberkulose handelt.

Er hat jetzt den Verdacht. Die Diagnose Tuberkulose kann man aber nur mit Sicherheit stellen, wenn man Tuberkulose-Bakterien nachweisen kann.

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4. Nachweis des Erregers    

a.         Untersuchung des Auswurfs unter dem Mikroskop

 Die einfachste Methode ist die direkte Untersuchung des Auswurfs des Patienten unter dem Mikroskop. Der Auswurf wird mit einem Farbstoff zusammengebracht, der speziell die Tuberkuloseerreger einfärbt. Man kann sie dann als kleine rote Stäbchen erkennen. Auch wenn abschließend dieses Präparat mit Alkohol und Säure behandelt wird, behalten die Tuberkulose-Bakterien ihre rote Farbe. Sie heißen deshalb auch „alkohol‑ und säurefeste Stäbchen“.

Der direkte Nachweis von Tuberkulose-Bakterien aus dem Auswurf gelingt aber nur dann, wenn der Patient sehr viele Bakterien ausscheidet (z. B. bei einer Kaverne). Diese Patienten nennt man auch direkt positiv, sie stellen die größte Ansteckungsgefahr dar.

b.         Anlegen einer Kultur

 Scheidet der Patient nur wenige Tuberkulose-Bakterien mit dem Auswurf aus, ist es oft nicht möglich, die Bakterien unter dem Mikroskop zu finden. Man muss nun andere Methoden anwenden, um sie nachzuweisen. Man gibt den Auswurf des Verdächtigen auf spezielle Nährböden, auf denen Tuberkulose-Bakterien gut wachsen. Es wird eine Kultur angelegt. Wenn Tuberkulose-Bakterien in diesem Auswurf enthalten sind, werden sie sich dort vermehren, und nach etwa 2- 6 Wochen kann man dann erkennen, dass es sich bei den Keimen um Tuberkulose-Bakterien handelt. Die Kultur ist positiv. Dieses Verfahren nennt man den kulturellen Nachweis.

Die auf dem Nährboden gewachsenen Tuberkulose-Bakterien werden jetzt anschließend mit den verschiedenen Medikamenten, die man zur Tuberkulosebehandlung einsetzt, zusammengebracht, um zu sehen, ob sie durch diese Medikamente vernichtet werden oder ob sie dagegen resistent sind. Dieses Verfahren nennt man Resistenzprüfung. Diese Untersuchung ist sehr wichtig, damit der Arzt die Medikamente einsetzt, die für diesen Patienten wirksam sind.

c.         Andere Methoden

 Zu den neueren Methoden in der Tuberkulosediagnostik zählen molekularbiologische Verfahren, mit denen Teile der Erbsubstanz (DNA) nachgewiesen werden (z.B. PCR). Diese Methoden sind sehr empfindlich, und wobei auch die Gefahr falsch positiver Ergebnisse besteht. Ihr Einsatz wird daher nur in speziellen Fällen empfohlen, sie sind eine Ergänzung und kein Ersatz für die herkömmlichen Nachweismethoden.

Immunschwächen o.ä. fehlen noch die Erfahrungen, so dass er in der Zunft kaum den Tuberkulin-Hauttest ersetzen kann. 

Nun gibt es Patienten, die ganz wenig Husten haben und daher keinen Auswurf, bei denen aber trotzdem der Verdacht auf eine Tuberkulose besteht. Hier wird man nun versuchen, direkt aus den Atemwegen eine Probe zur Untersuchung zu gewinnen. Man macht das mit Hilfe eines Verfahrens, das man Bronchoskopie nennt („skopein“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet schauen, Bronchoskopie: in den Bronchus hineinsehen).

In örtlicher Betäubung wird ein dünnes, biegsames Rohr etwa von der Dicke eines Bleistiftes in die Luftröhre eingeführt und dann mit einem ganz dünnen Schlauch durch dieses Rohr unter Sicht aus dem betroffenen Gebiet eine Probe angesaugt und auf den Nährboden gebracht. Manchmal entnimmt der Arzt auch eine Probe zur histologischen (feingeweblichen) Untersuchung. Man kann aus dem Aufbau dieses entzündlichen Gewebes auch Rückschlüsse auf Tuberkulose ziehen und eventuell auch den Tuberkuloseerreger in dieser Gewebeprobe mikroskopisch sehen. Die Bronchoskopie ist ein komplikationsloses Verfahren, das den Patienten nur wenig belastet.

Nun gibt es auch Patienten, die ihren Auswurf nicht nach außen befördern können, sondern ihn verschlucken. Das trifft besonders für Kinder zu. Hier kann man auch versuchen, die Tuberkulose‑Bakterien im Magensaft nachzuweisen. Ein dünner Schlauch wird in den Magen eingeführt, der Mageninhalt angesaugt und auf Tuberkulose-Bakterien untersucht.

Besteht der Verdacht auf eine extrapulmonale Tuberkulose , muss man auch hier versuchen, den Tuberkuloseerreger nachzuweisen, z. B. bei einer Nierentuberkulose aus dem Urin, bei einer Hirnhauttuberkulose aus der Rückenmarkflüssigkeit.

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Die Behandlung der Tuberkulose 

Das Ziel der Behandlung ist die Vernichtung, d.h. Abtötung, der Tuberkuloseerreger. Wenn keine lebenden, krankheitsverursachenden Keime mehr vorhanden sind, wird die Krankheit heilen und der Organismus sich wieder erholen. Ohne Behandlung sterben auch heute noch etwa 50% der Erkrankten an ihrer Tuberkulose, etwa 25% erleiden einen Rückfall, und nur bei etwa 25% der Erkrankten kommt die Tuberkulose zum Stillstand.

Die Tuberkulose wird heute, dank der enormen Fortschritte in der medizinischen Forschung der letzten 50 Jahre, mit Medikamenten behandelt, Diese Medikamente werden als Antituberkulotika bezeichnet, früher hat man sie auch Tuberkulostatika genannt. Die früher durchgeführten langwierigen Liegekuren in speziellen Sanatorien, bei denen die Abwehrkräfte des Erkrankten gestärkt werden sollten, damit er selber mit seiner Krankheit fertig wird, sind dadurch nicht mehr erforderlich. Die Behandlung beginnt in der Regel entsprechend dem Resistenzrisiko, mit mindestens drei, in aller Regel vier verschiedenen Medikamenten, die als Tabletten eingenommen werden.

Diese Medikamente heißen mit ihren chemischen Namen:

INH (Isonikotinsäurehydrazid, Isoniazid)

RMP (Rifampicin)

PZA (Pyrazinamid)

 

Als viertes Medikament wird EMB (Ethambutol) oder SM (Streptomycin), verabreicht. SM muss intramuskulär oder intravenös gespritzt werden, daher gibt man meist EMB den Vorzug

Da verschiedene Firmen die antituberkulösen Medikamente herstellen, haben die Präparate im Handel unterschiedliche Namen.

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Warum müssen zu Beginn der Tuberkulosebehandlung mehrere Medikamente genommen werden?

Dass zu Beginn der Tuberkulosebehandlung unbedingt 3 bzw. meist sogar 4 verschiedene Medikamente gleichzeitig eingenommen werden müssen, hat folgenden Grund:

Die antituberkulösen Medikamente haben unterschiedliche Wirkungsmechanismen auf die verschiedenen Lebensformen des Tuberkuloseerregers. Wenn sich die Tuberkulose-Bakterien im Organismus vermehren, haben sie einen aktiven Stoffwechsel. In dieser Phase wirken alle antituberkulösen Medikamente. Das Basismedikament ist hier besonders INH. Nun gibt es aber auch Tuberkulose-Bakterien, die in Zellen eingeschlossen sind oder sich in zerfallenem Gewebe befinden, Diese Keime werden von INH nicht erreicht, hier ist aber PZA wirksam, und macht diese Erreger unschädlich zu machen. Es gibt auch Tuberkulose-Bakterien, die sich gerade im Ruhezustand befinden und keinen aktiven Stoffwechsel haben, diese Bakterien kann RMP vernichten.

Darüber hinaus gibt es aber auch Tuberkulose-Bakterien, bei denen von vornherein eines oder mehrere antituberkulöse Medikamente nicht wirken, sie sind gegen diese Medikamente resistent. Durch die Gabe von vier (bei Verdacht auf eine medikamentenresistente Tuberkulose auch fünf) antituberkulös wirksamen Medikamenten soll gewährleistet werden, dass bis zum Erhalt der Resistenztestergebnisse (s.o.) mindestens zwei tatsächlich wirksame Medikamente zum Einsatz kommen und so die Entwicklung weiterer Resistenzen vermieden wird.

Es ist also unbedingt erforderlich, die Behandlung der Tuberkulose mit mehreren wirksamen Medikamenten gleichzeitig zu beginnen und über die gesamte Behandlungsdauer konsequent  fortzusetzen, damit auch wirklich alle Formen der Bakterien erreicht und vernichtet werden. Wenn man nur einen Teil der Bakterien vernichtet, kann die Tuberkulose nicht ausheilen, weil sich der verbleibende Rest an Tuberkulose-Bakterien nach einiger Zeit wieder vermehrt und die Erkrankung von neuem in Gang setzt (Rückfall, Rezidiv) oder die Entstehung von Resistenzen bzw. die Vermehrung bereits resistenter Erreger begünstigt wird.

Bei der Behandlung der Tuberkulose hat man eine Anfangsphase (Initialphase) mit in aller Regel 3 oder 4 Medikamenten (INH, RMP, PZA und EMB bzw. SM), die etwa 8 Wochen dauert, und anschließend die Fortsetzungsbehandlung über 4 Monate mit 2 Medikamenten (INH und RMP). Im Regelfall dauert eine antituberkulöse Behandlung heute 6 Monate. Das nennt man Kurzzeitchemotherapie. Bei sehr schweren Fällen von Tuberkulose, bei extrapulmonalen Formen, bei Rückfällen oder auch bei gleichzeitig vorhandenen schweren anderen Erkrankungen muss gelegentlich die Behandlung verlängert werden .

Ein großes Problem bei der Behandlung der Tuberkulose liegt darin, dass sich der Kranke schon nach einigen Wochen der Medikamenteneinnahme wieder gesund fühlt und deshalb die Tabletten nicht länger einnehmen will. Er muss sich unbedingt klar machen, dass eine unkorrekte oder zu kurzfristige Tabletteneinnahme oder das willkürliche Weglassen eines Medikamentes einen Rückfall oder die Entwicklung einer resistenten Tuberkulose bewirken können und dass er die Medikamente bewusst bis zum Ende der vorgesehenen Behandlungsdauer einnehmen muss.

Das Wichtigste ist also, dass der Patient alle verordneten Medikamente täglich konsequent und ausreichend lange einnimmt. Ohne eine optimale Mitarbeit des Patienten nutzen die besten Medikamente gegen die Tuberkulose nichts.

Tuberkulosen, bei denen mehr als zwei der oben genannten Antituberkulotika nicht mehr wirksam sind, werden als mehrfach- bzw. polyresistente Tuberkulosen bezeichnet. Eine besondere Form der Polyresistenz besteht, wenn eine Unempfindlichkeit gegenüber den beiden wirksamsten Antituberkulotika INH und RMP vorliegt („multiresistente“ oder MDR-Tuberkulose).
Liegen Resistenzen gegen ein oder sogar mehrere Antituberkulotika vor, müssen diese durch andere
antituberkulös wirksame Medikamente (sog. Zweitrangmedikamente) ersetzt werden. Aufgrund ihrer geringeren Wirksamkeit muss dann über einen längeren Zeitraum (bis zu zwei Jahre) behandelt werden, zudem wird die Therapie häufig schlechter vertragen. Aufgrund der vielerorts nicht korrekten Anwendung der Zweitrangmedikamente und der daraus resultierenden Unempfindlichkeit der Tuberkulose-Bakterien gegenüber diesen Reservemitteln wird weltweit zunehmend das Auftreten so genannter „extrem resistenter“ Tuberkulosen (kurz XDR-Tuberkulose) beobachtet.
Die erfolgreiche Therapie der resistenten Tuberkulose setzt spezielles Fachwissen beim behandelnden Arzt voraus. In seltenen Fällen kann hier auch eine - die medikamentöse Behandlung ergänzende - Operation (chrirurgische Entfernung betroffener Lungenteile) notwendig werden.

Resistenzen sind in der deutschen Bevölkerung eher die Ausnahme, sie finden sich in Deutschland insbesondere bei Menschen, die aus Ländern stammen, in denen resistente Tuberkuloseerreger gehäuft beobachtet werden (Südostasien, Osteuropa, N.U.S.)

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Ambulante oder stationäre Behandlung?

Da die heute verfügbaren Medikamente gegen die Tuberkulose hoch wirksam sind, kann die Behandlung grundsätzlich ambulant erfolgen, d. h. der Patient bleibt zu Hause, nimmt regelmäßig seine Medikamente ein und geht zu regelmäßigen Kontrollen zu seinem Arzt.

Es gibt aber Fälle, bei denen der Beginn der Behandlung stationär erfolgen sollte. Dazu gehören:

  1. Patienten, die schwer krank sind

  2. Patienten mit einer offenen Lungentuberkulose, solange sie ansteckungsfähige Tuberkulose-Bakterien      ausscheiden, die nicht häuslich isoliert werden können

  3. Patienten in ungünstigen Wohnverhältnissen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben

  4. Patienten, die außer an Tuberkulose noch an anderen schweren Krankheiten leiden

  5. Patienten mit einem Tuberkulose-Rückfall

  6. Patienten mit gegen Tuberkulosemedikamente resistenten Tuberkulose-Bakterien

  7. Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Tuberkulose noch nicht bestätigt ist.
    Diese wird man zur besseren differentialdiagnostischen Abklärung ihrer Beschwerden und Befunde am besten stationär untersuchen

Bei einer korrekt durchgeführten antituberkulösen Therapie kann man davon ausgehen, dass von einem Offen-Tuberkulösen nach durchschnittlich etwa 3-4 Wochen keine lebensfähigen Tuberkulose-Bakterien mehr ausgeschieden werden. Das nennt man Sputumkonversion. Dieser Patient ist dann für seine Umgebung nicht mehr ansteckungsfähig und kann, wenn keine anderen medizinischen Gründe dagegen sprechen, nach hause in weitere ambulante Behandlung entlassen werden.

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Präventive Behandlung

Die Tuberkulose tritt sehr oft aufgrund einer vor vielen Jahren erworbenen Infektion auf. Wird mittels Tuberkulin-Hauttest bzw. Interferon-g-Test eine Infektion erfasst (zum Beispiel im Rahmen einer Umgebungsuntersuchung ) kann eine sog. „präventive Behandlung“ durchgeführt werden (in der Regel mit INH allein),  So kann verhindert werden, dass sich aus der Infektion mit Tuberkulose-Bakterien später eine manifeste Tuberkulose entwickelt.

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Nebenwirkungen der Medikamente

Wie bei anderen Medikamenten gibt es auch bei den antituberkulösen Medikamenten Nebenwirkungen. Sie sind ausführlich in den Begleitzetteln zu den Tablettenpackungen dargestellt, diese müssen sorgfältig gelesen werden. Beschwerden von Seiten des Magens (Übelkeit) kann man vorbeugen, indem man die Tabletten möglichst alle auf einmal einnimmt, am besten am Morgen nach dem Frühstück  Kombinationspräparate (z. B. INH und RMP, oder INH und RMP und PZA zusammen in einer Tablette) vereinfachen die Einnahme und helfen dem Patienten, keine Tablette zu vergessen.

Nicht so selten steigen einige Leberenzyme während der antituberkulösen Therapie an, dies ist nicht tragisch, man muss es nur beobachten und die Behandlung evtl. entsprechend anpassen.

Wichtig: Rifampicin kann die Wirkung der Antibaby‑Pille aufheben. Trotz regelmäßiger Einnahme von Kontrazeptiva kann unter Rifampicin eine Schwangerschaft eintreten. Bei an Tuberkulose erkrankten Frauen, die nicht schwanger werden wollen, darf man aber keinesfalls das Rifampicin absetzen, sondern muss andere Methoden der Schwangerschaftsverhütung (z. B. Einsetzen einer Spirale) anwenden

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Kontrolluntersuchungen

Während der ganzen Dauer der antituberkulösen Therapie muss der Patient ständig in ärztlicher Kontrolle bleiben. Einmal um den Erfolg der Therapie, d. h. den Rückgang des tuberkulösen Prozesses, oder die Sputumkonversion zu erfassen und zu dokumentieren, und zum anderen auch um eventuelle Nebenwirkungen der Medikamente festzustellen.  

Es werden deshalb in gewissen Abständen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen der Lunge und bakteriologische Sputumuntersuchungen durchgeführt. Bei Einnahme von EMB muss zusätzlich regelmäßig der Augenarzt und bei Streptomycin der Ohrenarzt aufgesucht werden, da EMB Sehstörungen, SM vor allem Gleichgewichtsstörungen verursachen kann.

Wenn der Patient selber Nebenwirkungen bemerkt, muss er dies natürlich sofort seinem Arzt mitteilen.

Auch nach abgeschlossener Therapie wird der Patient noch 2 Jahre lang kontrolliert, um ein eventuelles Rezidiv zu erfassen.

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Tuberkulosebehandlung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Eine schwangere Frau, die an Tuberkulose erkrankt ist, kann genauso behandelt werden wie eine nicht schwangere Frau, lediglich Streptomycin soll nicht gegeben werden, und bei INH-Gabe sollte zusätzlich Pyridoxin (Vitamin B6) eingenommen werden. Bei den Neugeborenen von Müttern, die während der Schwangerschaft mit diesen antituberkulösen Medikamenten behandelt worden waren, wurde keine erhöhte Missbildungsrate beobachtet. Die Durchführung einer Tuberkulosebehandlung ist in keinem Stadium der Schwangerschaft ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Ist die stillende Mutter hoch ansteckend, so sollte das Kind von ihr getrennt werden. Ist dies nicht der Fall, so kann die stillende Mutter, bis auf SM, jedes Erstrangmittel einnehmen, ohne das Kind nach heutigem Wissensstand zu gefährden.

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Tuberkuloseschutzimpfung (BCG-Impfung)

Für die Impfung wird ein von den französischen Wissenschaftlern Calmette und Guérin gezüchteter Keim „Bacille Calmette Guérin“ verwendet. Daher hat die Impfung ihren Namen BCG- Impfung.

Die Wirksamkeit dieser Impfung ist umstritten. Sie schützt nicht sicher vor einer Ansteckung mit Tuberkulose-Bakterien, sie kann aber wohl bei Impfung im Kindesalter die Entwicklung einer tuberkulösen Hirnhautentzündung verhindern. Bei Erwachsenen hat die Impfung keine Wirkung. Nach einer BCG-Impfung können Nebenwirkungen in Form von Impfgeschwüren, Drüsenschwellungen (Lymphknotenschwellungen) sowie Knochenentzündungen auftreten. Da die Kindertuberkulose in Deutschland stark zurückgegangen ist, ist das Risiko für ein Kind, sich mit Tuberkulose anzustecken, gering.

Aufgrund der epidemiologischen Situation in Deutschland, der nicht sicher belegbaren Wirksamkeit der BCG-Impfung und der nicht seltenen schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen des BCG-Impfstoffs wird die Impfung  von der ständigen Impfkommission am Robert Koch‑Institut (STIKO) seit März 1998 nicht mehr empfohlen.

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Arbeitsfähigkeit

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen Patienten mit einer Tuberkulose u. U. mehrere Jahre von ihrer Familie und ihrem Arbeitsplatz entfernt in Tuberkuloseheilstätten zubringen mussten, ist heute dank der modernen medikamentösen Behandlung eine rasche Wiedereingliederung in das Berufsleben möglich. Das ist für die psychische Einstellung des Patienten zu seiner Krankheit ganz wichtig. Wenn der Betroffene keine Tuberkulose-Bakterien mehr ausscheidet, der tuberkulöse Prozess sich in Rückbildung befindet und sich der Patient „gesund“ fühlt, kann er seiner Arbeit wieder nachgehen, unter der Voraussetzung, dass die antituberkulöse Medikamente wirklich korrekt eingenommen werden und er sich regelmäßig bei seinem Arzt zur Kontrolle vorstellt.

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Meldepflicht   

Nach dem Gesetz (Infektionsschutzgesetz) ist der Arzt, der bei einem Patienten eine aktive, d. h. behandlungsbedürftige, Erkrankung an Tuberkulose feststellt, verpflichtet, dies dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Diese Maßnahme dient dem Schutz der Bevölkerung vor einer Ansteckung und Weiterverbreitung der Tuberkulose. Das Gesundheitsamt veranlasst nach der Meldung eines Falles von Tuberkulose eine „Umgebungsuntersuchung“, das heißt, dass die Menschen, die mit dem Erkrankten engen Kontakt hatten (z. B. Familie, Berufskollegen), auf eine Infektion bzw. Erkrankung an Tuberkulose untersucht werden. Bei dieser Umgebungsuntersuchung kann u. U. auch die Person gefunden werden, die Tuberkulose‑Bakterien ausscheidet und die anderen angesteckt hat. Dies ist ganz besonders wichtig bei Erkrankungen von Kindern an Tuberkulose. Der Aufforderung zur Umgebungsuntersuchung muss Folge geleistet werden. Die Untersuchung muss nicht unbedingt vom Gesundheitsamt durchgeführt werden, sie kann auch von einem anderen Arzt durchgeführt werden, der dann aber seine erhobenen Befunde dem Arzt im Gesundheitsamt mitteilen muss. 

Spezielle Methoden ermöglichen es, den genetischen „Fingerabdruck“ der Tuberkulose-Bakterien zu bestimmen und zu vergleichen („DNA-Fingerprinting“). So lassen sich Infektionsketten, d.h. Übertragungen innerhalb einer Gruppe von erkrankten Personen (so genannte „Cluster“), nachweisen. Diese Methode kommt nicht routinemäßig zum Einsatz, kann aber in bestimmten Situationen (z.B. bei beruflich erworbenen Tuberkulosen für die Anerkennung einer Berufskrankheit) hilfreich sein.

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Verhaltensregeln

Solange ein Tuberkulosekranker Bakterien ausscheidet und trotzdem zu Hause lebt, ist es selbstverständlich, dass er alles beachtet, um seine Umgebung nicht anzustecken.

Das Wichtigste ist hierbei, dass er mit seinem Atemstrom möglichst keine Tuberkulose-Bakterien in die Umgebung bringt: Beim Husten und Niesen stets ein frisches Papiertaschentuch vor Mund und Nase halten, beim Sprechen nicht zu nahe an seinen Gesprächspartner herangehen. Nach Möglichkeit soll der Erkrankte in einem eigenen Zimmer, vor allem aber nicht zusammen mit Kindern in einem Raum, schlafen.

Die Räume, in denen sich ein Tuberkulosekranker aufhält, sollten tüchtig gelüftet werden. Diese Maßnahmen gelten besonders, wenn der Erkrankte noch „offen“ ist. Aber auch danach sollte er sich bis zur vollständigen Ausheilung vorsehen, besonders beim Husten und Niesen.

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Allgemeine Verhaltensregeln

Während der antituberkulösen Therapie soll der Erkrankte keinen Alkohol oder nur in geringen Mengen trinken. Alkohol belastet die Leber. Gegen „ein Glas Bier am Abend“ ist nichts einzuwenden, höherprozentige alkoholische Getränke, vor allem Schnaps, sind verboten.

Direkte Sonneneinstrahlung, besonders das Liegen in der Sonne, sollten vermieden werden.

Besprechung der Verhütungsmethoden mit dem Frauen‑ bzw. Hausarzt, falls die Antibabypille verwendet wird.

Im Allgemeinen kann ein Tuberkulosekranker aber, wenn er sich wieder „gesund“ fühlt, durchaus „normal“ leben.

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Fazit

Die Tuberkulose hat weitgehend ihre Schrecken verloren, sie ist eine gut behandelbare und heilbare Krankheit geworden. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Erkrankte seine Medikamente regelmäßig und vorgeschrieben lange genug einnimmt.

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Anhang -Erklärung medizinischer Fachausdrücke

Bakterien-Kultur: Material, z. B. Sputum, wird auf einen speziellen Nährboden aufgetragen, auf dem Tuberkulose-Bakterien gut wachsen und sich vermehren. Dient zum Nachweis von Tuberkulose-Bakterien, wenn der Patient so wenige Bakterien ausscheidet, dass man sie unter dem Mikroskop nicht finden kann.

BCG-Impfung: Schutzimpfung gegen Tuberkulose

Bronchoskopie: Lungenspiegelung, es wird mit einem dünnen Rohr durch die Luftwege in die Lunge hineingesehen.

Bronchus: Luftweg

Interferon-g-Tests: Ein zusätzlicher Bluttest bei der Tuberkulosediagnose, mögliche Ergänzung zum Tuberkulin-Hauttest

Resistenz: Widerstand gegen etwas. Resistenz gegen ein antituberkulöses  Mittel bedeutet, dass die Tuberkulose-Bakterien durch dieses Medikament nicht vernichtet werden,

Resistenzprüfung: Es werden die Tuberkulose-Bakterien, die ein Patient ausscheidet, mit den verschiedenen antituberkulösen Medikamenten zusammengebracht, um festzustellen, ob sie gegen eines resistent sind.

Rückfall (Rezidiv): Wiedererkrankung an Tuberkulose, meist nach nicht ausreichend lange erfolgter antituberkulöser Behandlung.

Sputum: Auswurf

Sputumkonversion: Wenn nach antituberkulöser Behandlung bei einem vorher „offenen“ Patienten keine Tuberkulose-Bakterien mehr nachweisbar sind.

Tuberkulin: Ein aus Tuberkulose-Bakterien gewonnener Extrakt, der, wenn man ihn in die Haut einbringt, bei mit Tuberkulose-Bakterien Infizierten eine ungefährliche allergische Hautreaktion hervorruft.

Tuberkulin-Hauttest: Eine genau definierte Menge Tuberkulin wird in die Haut eingebracht. Hat der Betroffene eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien durchgemacht, wird der Test positiv, d. h. an der Stelle entsteht ein tastbares Knötchen.

Tuberkuloseformen

·         Primärkomplex: Erstes Stadium nach der Infektion mit Tuberkulose-Bakterien in der Lunge mit gleichzeitiger Schwellung der dazugehörigen Lymphknoten

·         Offene Lungentuberkulose: Im Auswurf des Patienten befinden sich Tuberkulose-Bakterien

·        Geschlossene Lungentuberkulose: Im Auswurf des Patienten können keine Tuberkulose-Bakterien nachgewiesen werden

·         Extrapulmonale Tuberkulose: Der tuberkulöse Herd sitzt in einem anderen Organ als der Lunge

·         Kaverne: In der Lunge entstandener Hohlraum durch Aushusten von zerstörtem Lungengewebe

 Umgebungsuntersuchung: Untersuchung enger Kontaktpersonen eines an offener Tuberkulose Erkrankten bzw. Suche nach der Ansteckungsquelle eines Tuberkulosekranken durch das Gesundheitsamt

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Sachregister

A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z

A

AIDS‑Kranke 1 , 2

Alkohol 1

Alterstuberkulose 1

Antituberkolotika, 1

    -Wirkungsweise  1

Ansteckung 1

Appetitlosigkeit 1

Arbeitsfähigkeit 1

Auswurf s. Sputum

B

Bakterienkultur 1

BCG-Impfung 1 2

Behandlung;  1 ff.

    -ambulant 1

    -stationär1

Bronchoskopie 1 2

E

Eierstocktuberkulose 1

EMB s. Ethambutol

Entzündung, spezifische 1

Erreger Nachweis 1 ff.

mikroskopisch 1

kulturell 1

andere Methoden 1

Ethambutol (EMB) 1 ff.

F

Fieber 1

G

Interferon-g-Test 1 2

Gelenktuberkulose 1

Gesundheitsamt 1

Gleichgewichtsstörungen 1

Gewichtsabnahme 1

H

Halslyrnphknotentuberkulose 1

Himhauttuberkulose 1

HIV‑Infizierte  1 2

Husten 1

I

Infektionskrankheit 1

Infektionssschutzgesetz 1

INH s. Isoniazid

lnitialphase, Behandlung 1

Isoniazid (INH) 1

K

Kaverne 1 2

Of. Knochentuberkulose 1

Kombinationspräparate, Antituberkulotika 1

Krankheitssymptome 1

L

Leberenzyme 1

Liegekur  1

Lungenspiegelung s. Bronchoskopie

Lungentuberkulose  1

Lymphknotenschwellung 1

M

Magensaftuntersuchung 1

Medikamentenresistenz 1 2

Meldepflicht 1

Mendel‑Mantoux‑Test 1 2

Miliartuberkulose 1

Molekularbiologische Methoden 1

Müdigkeit 1

Mycobacterium tuberculosis 1

MDR- Tuberkulose 1

XDR- Tuberkulose 1

N

Nachtschweiß 1

Nebenhodentuberkulose 1

Nebennieren‑Tuberkulose 1

Nebenwirkungen, Antituberkulotika 1

Nierentuberkulose 1

P

Präventive Behandlung 1

Primärkornplex 1 2

Pyrazinamid (PZA) 1

PZA s. Pyrazinamid

R

Resistenz  1 2

Resistenzprüfung; Antituberkulotika 1

Rezidiv s. Rückfall

Rifampicin (RMP) 1

Rippenfelltuberkulose  1

RMP s. Rifamipicin

Röntgenaufnahme, Lunge 1

Rückfall 1 2

S

Schwangerschaft 1

Sehstörungen 1

SM s. Streptomycin

Sonnenbaden 1

Sensibilitätsprüfung s. Resistenzprüfung,

Sputum 1 2

Blutbeimengungen 1

Sputumkonversion  1 2

Sputumuntersuchung 1

   -mikroskopisch 1

Stäbchen, alkohol‑ und säurefest 1

Stempeltest 1

Stillzeit 1

Streptomycin (SM) 1

T

Tuberkel 1

Tuberkulose‑Bakterium 1

Tuberkulin 1 2

Tuberkulin-Hauttest 1 2

Tuberkulose

     Absiedelungsorte 1

     Behandlung 1

     Diagnosestellung durch den Arzt 1

     Diagnostische Verfahren 1

     Entwicklung 1

     extrapulmonale Tuberkuloseerkrankung 1

     geschlossene Tuberkuloseerkrankung  1

     offene  Tuberkuloseerkrankung 1

Tuberkuloseerreger 1

Tuberkulostatika s. Antituberkulotika

U

Übelkeit 1

Umgebungsuntersuchung 1 2

V

Verhaltensregeln 1 2

Verhütung 1

Y

y-Interferontest: s. Gamma- Interferontest

 

Z

Zweitrangmedikament 1

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