Über das Projekt „First Aid for All“ (FAFA) der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd e.V.) werden lebensrettende Maßnahmen verständlich, niedrigschwellig, flächendeckend und kostenfrei vermittelt. Mittlerweile ist ein bundesweites Netzwerk zahlreicher Lokalgruppen von Studierenden entstanden, die sich hier engagieren. Im Interview geben Projektleiterin Lea Kartmann, der Projektleiter Tyrese Neumann-Hamid und der Münchner Trainer Julian Czarnecki, die auch auf der DGP-Bühne in München zu Gast waren, Antworten auf die wichtigsten Fragen zu der unterstützenswerten Initiative.
Vielleicht möchten auch Sie sich direkt engagieren und als Klinik oder Praxis FAFA-Kurse für die lokale Bevölkerung organisieren – und das Projekt noch bekannter machen: First Aid For All – bvmd.
In drei Sätzen: Was ist First Aid for All?
Lea Kartmann: First Aid for All, kurz FAFA, möchte Laienreanimation flächendeckend etablieren. Dafür bieten wir kostenlose, niedrigschwellige und barrierearme Trainings in Schulen, Unternehmen, auf Kongressen oder bei öffentlichen Veranstaltungen an. In 90 Minuten vermitteln wir hier die Grundlagen – vor allem, was zu tun ist, wenn man eine bewusstlose Person findet.
Ihr sagt, es gehe euch nicht nur um Wissen, sondern auch darum, Hemmschwellen abzubauen.
Julian Czarnecki: Richtig! Zwei Drittel der Herz-Kreislauf-Stillstände passieren im häuslichen Umfeld. Die Ersthelfenden sind also meist Angehörige oder zufällige Laien – Menschen, die oft unsicher sind. Die Botschaft „der einzige Fehler ist, nichts zu tun“ darf sich auch als Mundpropaganda verbreiten und hilf vielleicht, auch wenn man nicht beim Training war.
Wie ist euer Projekt organisiert?
Lea Kartmann: Wir sind aktuell rund 400 Ehrenamtliche in 17 Lokalgruppen deutschlandweit. Ursprünglich ein Projekt von Medizinstudierenden, öffnen wir uns zunehmend: In einigen Gruppen engagieren sich auch Studierende aus Pflege-, Hebammen- oder Lehramtsstudiengängen. Das bereichert uns sehr und wir können viel voneinander lernen. Die Lehramtsstudierenden etwa bringen uns didaktische Kompetenzen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen bei.
Wen möchtet ihr alles erreichen?
Julian Czarnecki: Unser Schwerpunkt liegt auf Schülerinnen und Schülern ab der fünften Klasse, aber wir beginnen teilweise schon früher. Ein Kind im KiTa-Alter beispielsweise kann zwar noch nicht selbst reanimieren, aber es kann Hilfe holen. Auch Lehrkräfte, Lehramtsstudierende, Personen aus Unternehmen und der breiten Öffentlichkeit, etwa auf Stadtfesten, gehören zur Zielgruppe. Wichtig ist uns: Erste Hilfe ist keine Frage des Alters!
Wie kommt der Kontakt für die Trainings zustande?
Lea Kartmann: Zum einen sprechen wir aktiv Schulen oder Institutionen an, erhalten aber auch viele Anfragen von außen. Idealerweise werden die Trainings regelmäßig wiederholt – etwa jährlich –, damit sich das Wissen langfristig verankert.
Welche Rolle können Pneumologinnen und Pneumologen im Projekt spielen?
Tyrese Neumann-Hamid, bvmd-Vizepräsident: Wir wünschen uns einfach noch mehr ärztliche Unterstützung. Kolleginnen und Kollegen können unser Anliegen weitertragen, Kontakte herstellen oder selbst in einer Lokalgruppe mitwirken – oder auch eine neue Lokalgruppe gründen. Gerade in Kliniken lassen sich Netzwerke knüpfen, etwa zur Notfallmedizin oder Anästhesie. Wer unser Projekt kennt, kann es in Schulen, Familien oder im beruflichen Umfeld anstoßen.
Was ist eure langfristige Vision?
Lea Kartmann: Reanimation soll ein selbstverständlicher Bestandteil der Bildung werden. In einigen Bundesländern ist sie bereits verpflichtend im Schulunterricht verankert – ein wichtiger Schritt. Unser Ziel ist es, diese Entwicklung bundesweit voranzutreiben und so die Laienreanimationsquote nachhaltig zu erhöhen.
› weitere Informationen unter First Aid For All – bvmd
› die Projektleitung freut sich über Kontaktaufnahme unter: firstaidforall@bvmd.de