Teilzeitarbeit ist als Option in pneumologischen Abteilungen inzwischen weitgehend etabliert – das ist die gute Nachricht. Weniger gut gelingt es bislang, familiäre Verantwortung gleichberechtigt zu verteilen und Ärztinnen und Ärzten unabhängig von Geschlecht und Arbeitszeit vergleichbare Karrierechancen in der Pneumologie zu eröffnen. Das zeigt eine Umfrage der Frauen in der Pneumologie, an der sich 352 Personen beteiligten.
„Teilzeit ist im ärztlichen Dienst längst keine Ausnahme mehr“, weiß Dr. Janina Kleymann, eine von drei Initiatorinnen der Umfrage. So gaben nur neun Prozent der Befragten an, keine Teilzeitkräfte in ihrem ärztlichen Team zu haben. „Gleichzeitig erleben viele Kolleginnen und Kollegen aber weiterhin unflexible Dienstmodelle, eine hohe Arbeitsbelastung und Personalknappheit als Barrieren. Besonders nachdenklich stimmt uns, dass knapp ein Drittel der Befragten Teilzeitarbeit noch immer als nicht passend zum ärztlichen Rollenbild wahrnimmt“, so Janina Kleymann, Ärztin in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.
Hauptverantwortung der Care-Arbeit weiterhin bei der Frau
Auch bei der Verteilung der Care-Arbeit bestehen deutliche Unterschiede. Zwar teilen 40 Prozent der Befragten diese Aufgaben paritätisch auf. In den übrigen Fällen liegt die Hauptverantwortung jedoch überwiegend bei den Frauen. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie stark familiäre Verantwortung noch immer die beruflichen Möglichkeiten beeinflussen kann“, legt Dr. Susanne Huggett den Finger in eine empfindliche Wunde. Wenn Care-Arbeit nicht gleichberechtigt aufgeteilt werde, also bei den anderen 60 Prozent der Antwortenden, liegt diese laut der weiblichen Befragten in 97 Prozent der Fälle überwiegend bei ihnen selbst. Die männlichen Befragten bestätigen dieses Bild in etwa, da 76 Prozent angeben, dass die Partnerinnen oder Partner den größeren Anteil übernehmen. „Vereinbarkeit ist deshalb nicht allein eine Frage der Arbeitszeit, sondern auch der Verteilung von Verantwortung!“, macht die Hamburgerin Susanne Huggett deutlich.
Mentoring als konkreter Ansatzpunkt für die weibliche Karriere
Interessant: Weniger als die Hälfte der Befragten ist mit dem eigenen Karriereverlauf derzeit zufrieden! Männer äußerten sich dabei aber rund 20 Prozent häufiger zufrieden als Frauen. Zugleich nannten Frauen ihr Geschlecht zehnmal häufiger als negativen Einflussfaktor auf ihre Karriere. Einen konkreten Ansatzpunkt sehen die Initiatorinnen der Umfrage beim Mentoring: 73 Prozent hätten in ihrer Einrichtung keinen Zugang zu entsprechenden Angeboten. 70 Prozent können sich vorstellen, Unterstützung der DGP hierbei zu nutzen. Ein Mentoringangebot findet sich übrigens bereits im Mitgliederbereich der DGP nach dem Login unter www.pneumologie.de/mitgliederbereich/mentoring.
„Die Zahlen zeigen uns sehr deutlich, wo die Fachgesellschaft ansetzen kann. Viele Ärztinnen und Ärzte wünschen sich Orientierung, Austausch und erfahrene Begleitung auf ihrem Karriereweg“, resümiert Dr. Katrin Scheu de Wendt, Assistenzärztin im Zentrum für Onkologie des Universitätsklinikums Hamburg. „Diesen Bedarf sollten wir aufgreifen und Angebote entwickeln, die unterschiedliche Lebensentwürfe und Karriereziele berücksichtigen!“
Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage wollen die drei Frauen auf dem Jahreskongress der DGP im März 2027 in Köln vorstellen.