Klinik und Forschung miteinander zu verbinden, gehört für viele junge Ärztinnen und Ärzte zu den größten Herausforderungen auf dem Weg in eine wissenschaftliche Karriere. Forschungsanträge werden oft am Wochenende geschrieben, Datenanalysen nach Feierabend. Dabei entstehen die besten Ideen dort, wo Patientenversorgung und Wissenschaft eng miteinander verbunden sind. Genau hier setzt das Clinician Scientist Program der CAPNETZ STIFTUNG an: Es schafft den Freiraum, wissenschaftliche Fragestellungen mit der nötigen Zeit und Konzentration zu verfolgen, ohne den Bezug zur Patientenversorgung zu verlieren.
Welche Chancen dadurch entstehen, berichten Dr. Stephanie Müller (links), Assistenzärztin an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, Dr. Eva Pappe (Mitte), Assistenzärztin an der Klinik für Pneumologie, Beatmungsmedizin und Intensivmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Dr. Theo Dähne (rechts), Arzt in Weiterbildung am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg.
Sie alle sind die diesjährigen Stipendiaten der CAPNETZ STIFTUNG. Was hat diese Förderung für Sie verändert?
Dr. Stephanie Müller: Forschung und Klinik schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Viele wissenschaftliche Fragestellungen entstehen direkt aus dem klinischen Alltag heraus. Das CAPNETZ Clinician Scientist Program ermöglicht eine teilfinanzierte Freistellungszeit für Forschung und verbindet so klinischen Alltag mit Wissenschaft. Ich kann also wissenschaftlich arbeiten, ohne dass Familie oder Freizeit automatisch darunter leiden.
Dr. Eva Pappe: Genau! So entsteht plötzlich Raum, sich intensiv mit einer Fragestellung auseinanderzusetzen, neue Methoden zu lernen oder Folgeprojekte zu entwickeln.
Dr. Theo Dähne: Dabei verliert man weder den wissenschaftlichen Fokus noch den Kontakt zu den Patientinnen und Patienten.
Dr. Eva Pappe: Und genau diese Kombination macht unseren Beruf so spannend. Es gibt nichts Schöneres, als beides miteinander verbinden zu können.
Das klingt, als hätten Sie ganz neue Seiten an Ihrem Beruf entdeckt.
Müller: Ja, weil sich plötzlich Möglichkeiten ergeben, die vorher kaum denkbar waren. Man kann Forschung viel tiefer betreiben, Kontakte knüpfen und eigene Kompetenzen weiterentwickeln. Das Stipendium war ein echter Türöffner…
Pappe: Das würde ich sofort unterschreiben. Bei mir haben sich zahlreiche neue Verbindungen und Kooperationen ergeben. Ich konnte weitere Förderanträge schreiben, neue Kooperationen aufbauen und mich fachlich deutlich weiterentwickeln.
Dähne: Und manchmal öffnen sich Türen sogar ganz unerwartet: Stephanie Müller und ich hatten ursprünglich unabhängig voneinander Anträge eingereicht. Die CAPNETZ STIFTUNG hat erkannt, dass sich unsere Projekte hervorragend ergänzen.
Müller: Daraus ist letztlich ein gemeinsames Projekt entstanden. Allein hätten wir unsere Fragestellungen wahrscheinlich nie so eng miteinander verzahnt. Die Zusammenarbeit endet nicht mit dem Stipendium – sie fängt eigentlich gerade erst an.
Können Sie das konkreter erläutern?
Dähne: Gerne! Ich bin Virologe und fokussiere mich daher mehr auf die Diagnostik und Molekularbiologie. Stephanie Müller ist Pneumologin und hat deshalb das klinische Setting und die Patientin bzw. den Patienten vor Augen. Diese unterschiedlichen Blickwinkel ergänzen sich hervorragend. Gute Pneumonieforschung funktioniert heute nicht mehr nur innerhalb eines Fachgebiets.
Müller: Wir betrachten dieselbe Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven und profitieren gegenseitig von unserem Wissen. Wir untersuchen Mykoplasmen-Pneumonien und möchten besser verstehen, welche Faktoren schwere Verläufe begünstigen. Langfristig sollen unsere Ergebnisse helfen, Diagnostik und Therapie weiterzuentwickeln.
Woran forschen Sie, Frau Pappe?
Pappe: Ich beschäftige mich mit der Frage, welchen Einfluss biologische und soziokulturelle Geschlechterunterschiede auf den Krankheitsverlauf einer ambulant erworbenen Pneumonie haben. Das Netzwerk der Stiftung und die Begleitung durch einen erfahrenen Mentor sind dabei unglaublich wertvoll. Zwischenergebnisse werden diskutiert, Ideen weiterentwickelt und häufig entstehen daraus neue Projekte.
Was würden Sie jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die selbst mit dem Gedanken spielen, wissenschaftlich zu arbeiten? Oder sich zu bewerben?
Müller: Einfach den ersten Schritt wagen! Das Programm bietet eine hervorragende Möglichkeit herauszufinden, ob Forschung der richtige Weg ist.
Dähne: Die Zusammenarbeit mit der Stiftung funktioniert zudem wirklich reibungslos – vom Zugriff auf Forschungsdatenbanken bis zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Standorten. Das motiviert unglaublich! Also einfach machen!
Pappe: Und Leidenschaft mitbringen! Forschung bedeutet manchmal auch zusätzliche Arbeit. Aber wenn man Freude daran hat, bekommt man unglaublich viel zurück.
Dähne: Vor allem auch: neugierig bleiben. Wissenschaft lebt davon, Fragen zu stellen – und gleichzeitig den Blick für die eigenen Patientinnen und Patienten nicht zu verlieren. Ich bin mir sicher, dass wir durch die Kombination aus Forschung und Klinik bessere Ärztinnen und Ärzte geworden sind.
Fotos: UKDD und privat